Von Marcus Schmieke
Das Vedanta Sutra wurde von Shrila Vyasadeva vor ca. 5 000 Jahren
verfaßt und faßt in ungefähr 800 sutras oder Aphorismen die Essenz der
vedischen Schriften zusammen.
Ein sutra ist ein Satz, der in komprimierter Form Aussagen von
universeller Gültigkeit macht. Ein solcher sutra besteht teilweise nur
aus einem Wort, das jedoch in den geeigneten Zusammenhang gesetzt einen
ganzen Bedeutungskomplex erzeugt. Um diese sutras zu verstehen, ist es
nötig, die vedischen Texte, vor allem die Upanisaden, genau zu kennen.
Dem Studenten des Vedanta Sutra ist es in jedem Fall empfohlen, die
sutras anhand eines autorisierten Kommentars oder basyas zu studieren.
Diese Kommentare wurden von selbstverwirklichten spirituellen Meistern
verfaßt, die auf der Grundlage ihres jeweiligen Kommentars eine
bestimmte Tradition oder sampradaya begründet haben, die die
ursprüngliche Bedeutung der sutras von Generation zu Generation, das
heißt von Meister zu Schüler weitergibt.
Diese sampradayas oder Schülernachfolgen garantieren, daß das vedische
Wissen über die Jahrtausende nicht verlorengeht oder verändert wird,
sondern ständig neu in die Praxis des spirituellen Lebens umgesetzt
wird. In den Veden heißt es, daß es in dem derzeitigen Zeitalter vier
echte sampradayas oder Traditionen gibt, die auf vier historisch
besonders bedeutsame Lehrer zurückgehen und letztlich in eine große
sampradaya münden, die erneut die Essenz dieser vier Traditionen
destilliert.
Die folgende Graphik gibt einen Überblick über die historische und
inhaltliche Entwicklung der Kultur des Wissens in der vedischen Kultur.
Der eine Veda
Yajur Veda
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Die vier Veden
rg-veda sama-veda atharva-veda yajur-veda
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Die 108 Upanisaden
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Die sechs Philosophien
vaisesika nyaya sankhya yoga mimamsa mayavada
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Das Vedanta Sutra
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Die vier Vedanta Sampradayas
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Brahma Rudra Shri Kumaras
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Die Gaudiya Vaisnava Sampradaya
Als am Ende des letzten Zeitalters der Weise Vyasadeva erkannte, daß
die Menschen den direkten Zugang zum vedischen Klang verlieren, teilte
er den einen Veda in vier Teile, ließ diese niederschreiben und übergab
sie verschiedenen Weisen.
Die Upanisaden sind 108 vedische Bücher, die in Gesprächen zwischen den
großen vedischen Weisen und ihren Schülern den philosophischen Inhalt
der vedischen Schriften in sehr abstrakter Form darstellen. Diese Texte
werden wiederum von den sechs vedischen Philosophien studiert und
ausgelegt. Das Vedanta Sutra begründet dann auf der Grundlage der
Upanishaden die ursprüngliche Bedeutung der Veden und relativiert die
Aussagen der sechs Philosophien. Die Aussage des Vedanta Sutras wird in
vier Traditionen über die Jahrtausende überliefert, die dann in unserer
Zeit in der Tradition des Gaudiya Vaisnava Vedanta zusammenkommen.
Diese Tradition gründet vor allem auf dem Shrimad Bhagavatam, einem
vedischen Text, den Shrila Vyasadeva selbst als natürlichen Kommentar
zum Vedanta Sutra verfaßt hat.